Im Rahmen der Ausbildung zum Demokratietrainer entwickelte Felix Gutjahr vom FT München-Blumenau ein Konzept, das beispielhaft Möglichkeiten der demokratischen Teilhabe von Jugendlichen im Tischtennistraining reflektiert. Das Praxisprojekt zeigt Wege auf, wie junge Sportlerinnen und Sportler aktiv in Entscheidungsprozesse und Trainingsgestaltung eingebunden werden können – und wo dabei die Grenzen liegen.
Sportvereine sind für viele Kinder und Jugendliche ein zentraler Ort der Persönlichkeitsentwicklung. Laut Statistischem Bundesamt sind knapp 50 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland in einem Sportverein aktiv. Diese Organisationen tragen damit nicht nur zur körperlichen Ertüchtigung bei, sondern sind auch bedeutende Plattformen für die Vermittlung demokratischer Werte wie Mitbestimmung und Teilhabe.
Demokratische Teilhabe im Sport
Die demokratische Teilhabe von Jugendlichen im Sport geht weit über die bloße Teilnahme am Training hinaus. Sie umfasst Mitbestimmung, Mitsprache und aktive Mitgestaltung. So weit die Theorie. Felix Gutjahr, erfahrener Tischtennisspieler und Trainer der FTM Blumenau, untersuchte in seinem Praxisprojekt während der Demokratietrainer-Ausbildung die bestehende Vereinsstruktur- und Trainingspraxis und erarbeitete Möglichkeiten, wie Jugendliche stärker in die Gestaltung ihres Trainingsalltags eingebunden werden können. Ziel war es, ihnen nicht nur sportliche Fähigkeiten zu vermitteln, sondern sie auch zu eigenverantwortlichem Handeln und Mitgestaltung zu ermutigen.
Praktische Umsetzung des Projekts
Das Projekt wurde von September bis Dezember 2024 in der Tischtennis-Abteilung des FT München-Blumenau umgesetzt. Zentrale Maßnahmen waren:
- Feedback-Runden: Am Ende jeder Trainingseinheit wurden Feedbackrunden eingeführt, in denen die Jugendlichen ihre Meinung zu den Übungen und Trainingsinhalten äußern konnten. Ergänzt wurde dies durch eine digitale Feedbackbox, die anonyme Rückmeldungen online ermöglicht – hier zeigte sich, dass offenkundig die Hürden und Hemmschwellen für eine solche (selbst)kritische Reflexion der Jugendlichen hoch sind und es viel Überzeugungsarbeit für dieses Instrument der Teilhabe bedarf.
- Mitgestaltung des Trainings: Jugendliche konnten Teile des Trainings mitgestalten, etwa durch die Leitung von Aufwärmübungen oder die Auswahl von Abschluss-Spielen. Besonders im Bereich der Fortgeschrittenen wurde ihnen die Möglichkeit gegeben, flexible Trainingseinheiten nach ihren Wünschen zu gestalten – die Grenzen setzen dabei die aufeinander aufbauenden Trainingspläne und mögliche Verletzungsrisiken etwa bei einem ungesteuerten Krafttraining.
- Einführung von Jugendsprechern: Als Vertretung der Jugendlichen sollte ein Jugendsprecher gewählt werden, der die Anliegen der Gruppe in den Verein einbringt. Obwohl dieser Ansatz aufgrund mangelnden Interesses und wegen Bedenken aus der Trainerschaft nicht umgesetzt werden konnte, bleibt er ein Ziel für zukünftige Initiativen.
Herausforderungen und Erkenntnisse
Die Umsetzung demokratischer Teilhabe im Training stieß auf unterschiedliche Herausforderungen. Besonders in der Individualsportart Tischtennis zeigte sich, dass ein starkes Gruppengefühl oft fehlt, was insbesondere die Wahl eines Jugendsprechers erschwerte. Dennoch konnten durch gezielte Maßnahmen erste Erfolge erzielt werden, etwa in der stärkeren Einbindung der Jugendlichen in Theorie- und Trainingsgestaltung. Die Grenzen einer freien Mitbestimmung setzt allerdings das Trainingskonzept des Vereins. Es sieht einen 5‑Wochen-Trainingsplan vor, in dem jede Woche ein anderer Trainingsschwerpunkt behandelt wird. Dieses Konzept folgt einem längeren sportfachlichen und sportdidaktischen Planungshorizont und wird regelmäßig intern (im Trainerteam) evaluiert. Allerdings bieten sich beispielsweise in den Schulferien, wenn wegen vielfältiger Abwesenheiten der Trainingsplan ausgesetzt wird, verschiedene Möglichkeiten einer freieren Trainings- und Spielformengestaltung unter Einbeziehung der jungen Spielerinnen und Spieler.
Relevanz für den Sport und die Gesellschaft
Das Projekt zeigt, dass demokratische Teilhabe im Sport eine wertvolle Ergänzung zur klassischen Trainingspraxis ist – in der Praxis allerdings noch viel Luft nach oben bei der Umsetzung bleibt. Größere Mitbestimmungsmöglichkeiten sieht der Autor in seinem Verein derzeit (noch) nicht. So existiere keine Jugendversammlung und auch kein Jugendsprecher bzw. keine Jugendsprecherin wurde installiert. Ebenso ist die Partizipation im Sinne der Jugendmannschaften noch ausbaufähig. Dementsprechend sei aus Sicht des Autors im Zuge des Praxispraxisprojekts ein erster kleiner Schritt zu mehr Partizipation erfolgt, „aber der wirklich große Wurf muss noch als ausstehend gekennzeichnet werden“.
Klares Signal für die Zukunft
Mit seinem Praxisprojekt setzt Felix Gutjahr gleichwohl ein klares Signal für die Bedeutung demokratischer Werte im Sport. Die Einbindung von Jugendlichen in Entscheidungsprozesse verweise darauf, dass der Sport nicht nur ein Ort für körperliches Training, sondern auch für gesellschaftliches Lernen ist. Das Beispiel aus dem Tischtennis kann damit als Inspiration für andere Vereine dienen, ihre Organisationsstruktur und ihre Trainingspraxis kritisch zu hinterfragen und die Jugendlichen und ihre Bedürfnisse auf Beziehungsebene stärker in den Mittelpunkt zu stellen.